Co–Star: Mein Test mit der Astrologie-App, die mir Beleidigungen schickt

Du hoffst auf ein bisschen Zuspruch von den Sternen? Co–Star schickt dir manchmal lieber eine Beleidigung aufs Handy. Die Astrologie-App kombiniert persönliche Sterndeutung mit Freundschaftsvergleichen und Sprüchen zwischen witzig und absurd. Ich habe sie ausprobiert: Was steckt hinter dem Hype, welche Botschaften sorgen für Kopfschütteln – und welche Funktionen taugen tatsächlich für den Alltag?
Co–Star: Erst Geheimtipp, dann kollektives Nicken
Als ich in der Redaktion von meiner vermeintlich neuen App-Entdeckung erzählte, war die Überraschung ziemlich einseitig: Fünf Köpfe drehten sich zu mir, und schon beim Namen Co–Star kam begeisterte Zustimmung. In dieser Runde voller Millennials hatte ich offenbar keinen Geheimtipp ausgegraben, sondern war einfach spät dran.
Kennengelernt hatte ich die App durch eine Freundin im Urlaub. Ihr Versprechen klang verlockend: Statt eines allgemeinen Sternzeichen-Horoskops sollte ich tägliche Deutungen bekommen, die auf meiner persönlichen Geburtskonstellation beruhen. Dazu kam eine Funktion, mit der sich Freundschaften astrologisch vergleichen lassen. Meine Neugier war geweckt. Aber hält die App auch dann bei Laune, wenn der erste Entdeckungsrausch vorbei ist?
Was die App mit deiner Geburtskonstellation macht
Co–Star arbeitet algorithmusbasiert und nutzt deine sogenannte Birth Chart als Grundlage. Gemeint ist eine astrologische Karte der Himmelskonstellation zum Zeitpunkt deiner Geburt. Für deren Erstellung soll die App Informationen der NASA verwenden. Daraus entstehen die personalisierten Horoskope, mit denen sie sich von pauschalen Sternzeichen-Texten abheben möchte.
Mitbegründerin Banu Guler beschreibt die Idee dahinter als Übertragung von Astrologie und Spiritualität ins digitale Zeitalter. Optisch passt das: Schwarz und Weiß, reduzierte Gestaltung, dazu Abbildungen von Statuen und Käfern. Hier funkelt kein bunter Sternenhimmel. Die Oberfläche wirkt nüchtern – ein bemerkenswerter Kontrast zu den mitunter völlig wilden Botschaften.
Deine Birth Chart findest du außerdem als Tabelle mit knappen Erklärungen. Du bekommst einen Überblick über Planeten und damit verknüpfte Charaktereigenschaften. Für einen ersten Einblick ist das übersichtlich; eine ausführliche Beschäftigung mit jeder einzelnen Zuordnung solltest du davon nicht erwarten.
Freundschaftscheck mit ordentlich Gesprächsstoff
Der eigentliche Lockruf meiner Freundin war allerdings die Vernetzung. Du kannst andere Nutzer:innen über ihren Namen oder ihre Telefonnummer hinzufügen und anschließend anschauen, wie ihr astrologisch zusammenpasst. Für meine Beziehung war das vor allem amüsant: Unsere Unterschiede auf diese Weise vorgeführt zu bekommen, sorgte eher für Lacher als für Streit.
Bei einer Bekannten, die ohnehin an ihrer Partnerschaft zweifelte, kam der Vergleich weniger gut an. Genau deshalb würde ich solche Einschätzungen nicht zum Beziehungsmaßstab machen. Wenn dich ein Ergebnis verunsichert, sprich lieber mit der betreffenden Person, statt aus einer App-Auswertung ein Urteil über eure Verbindung abzuleiten.
Der Reiz nutzt sich außerdem ab. Sind die Profile im Freundeskreis einmal durchgeklickt, ist der große Entdeckungseffekt vorbei. Zwar gibt es tägliche Einschätzungen dazu, wie es den anderen angeblich geht und ob du eher Nähe suchen oder Abstand halten solltest. Ich schaue dort trotzdem nur selten hinein.
Von aufmerksam bis vollkommen absurd: die Kontakt-Tipps
Zusätzlich schlägt Co–Star vor, was du mit einer bestimmten Person unternehmen oder im Umgang mit ihr beachten könntest. Manches klingt durchaus vernünftig: Achte auf die Signale, die dein Gegenüber sendet. Anderes wirkt schon deutlich schräger, etwa jemanden mit aufrichtigen Komplimenten zu überfallen.
Und dann gibt es Vorschläge, die endgültig ins Absurde kippen: Wir sollen uns als Pantomimen verkleiden und einander bedeutungslose Zeichen geben. Bitte was? Solche Momente machen die App unterhaltsam, aber nicht unbedingt hilfreich. Mein praktischer Umgang damit: brauchbare Gedanken mitnehmen, den Rest als skurrilen Gesprächsstoff verbuchen. Einen echten Kontakt ersetzt diese astrologische Regieanweisung jedenfalls nicht.
Die Push-Nachrichten: frech, rätselhaft und manchmal ziemlich gemein
Ihre große Bühne hat Co–Star mit den kurzen Tagesimpulsen und Push-Nachrichten gefunden, die auch als Memes kursieren. Unter „Your day at a glance“ steht ein Satz, der zum Nachdenken anregen soll. Bei mir löste er allerdings häufig eher ein irritiertes Stirnrunzeln aus. Manchmal musste ich grinsen, oft blieb nur die Frage: Was genau soll ich damit anfangen?
Andere Nutzer:innen bekamen beispielsweise sinngemäß zu lesen, Traurigsein bringe ihnen nichts. Eine weitere Botschaft erklärte den Versuch, verstanden zu werden, kurzerhand für vergeblich. Das ist keine sanfte Ermutigung, sondern ein ziemlich ruppiger Ton. Wer gerade Zuspruch sucht, dürfte sich davon nicht unbedingt abgeholt fühlen.
Für mich liegt darin die auffällige Spannung der App: Sie will persönlich wirken, trifft aber nicht automatisch den richtigen Ton. Ein kurzer Satz kann lustig sein, danebenliegen oder einfach unverständlich bleiben. Du musst ihn nicht auf dich beziehen, nur weil er auf deinem Bildschirm erscheint.
Do’s und Don’ts: drei Stichpunkte, viele Fragezeichen
Noch rätselhafter finde ich die Listen unter dem Tageshoroskop. Je drei Stichpunkte sollen zeigen, was ich tun und besser lassen sollte. Nur: Zwischen einer Handlungsempfehlung und einem einzelnen englischen Begriff liegen manchmal Welten. Bei diesen Beispielen blieb ich besonders ratlos:
- „Test Drive“: eine Probefahrt – aber wofür?
- „Cellar Doors“: Kellertüren. Was wäre hier die Aufgabe?
- „Theme Songs“: Titelmelodien als Tagesprogramm?
- „Sea legs“: Seebeine beziehungsweise Seefestigkeit – ohne hilfreichen Zusammenhang.
- „Permanent Marker“ bei den Don’ts: ein konkretes Verbot oder eine Metapher?
- „Identity Theft“ ebenfalls bei den Don’ts: ein ausgesprochen merkwürdiger Hinweis.
Darunter verrät „Peaking tomorrow at …“, wann meine beste Zeit sein soll. Nur erschließt sich mir nicht, was daraus praktisch folgen könnte. Die Uhrzeit ist meistens genauso schnell vergessen, wie ich sie gelesen habe.
Warum ich trotzdem immer wieder hineinschaue
Zum Glück besteht Co–Star nicht nur aus kryptischen Kurzansagen. Die längeren Tageshoroskope empfinde ich deutlich angenehmer. Sie klingen freundlicher, liefern mehr Zusammenhang und enthalten gelegentlich Gedanken, die mir durch einen schlechten Tag helfen. Bei bestimmten astrologischen Konstellationen kommen zusätzliche Einordnungen und Tipps hinzu.
Ob Zufall oder nicht: Manchmal passen diese Texte erstaunlich gut zu meiner Stimmung. Das macht sie für mich zu einem kleinen Alltagsimpuls – nicht zu einer verbindlichen Vorhersage.
Meine eigentlichen Favoriten sind die „Ice Breaker“. Dort erscheinen kurze Aussagen über mich sowie Einschätzungen zu meinen Freund:innen. Besonders schön schräg war die Frage nach der Stimme im Kopf: Bei mir hieß es „Existence is a prison“, bei einem Freund „Elevator music“. Existenzielle Schwere trifft Fahrstuhlmusik! Genau solche Gegensätze sorgen bei uns für Gelächter und Screenshots.
Unterschiedliche Häuser? Ein Blick in die Einstellungen hilft
Beim Vergleich mit einer bereits berechneten Birth Chart fiel mir auf, dass zwei Planeten anderen Häusern zugeordnet waren. Der entscheidende Punkt steckt in den Einstellungen: Unter „Settings“ und „House Systems“ kannst du zwischen „Porphyry“, „Placidus“ und „Whole Sign“ wählen.
Co–Star verwendet standardmäßig Porphyry. Viele andere Birth-Chart-Rechner arbeiten mit Placidus. Wenn deine Ergebnisse voneinander abweichen, prüfe deshalb zuerst, ob dasselbe Häusersystem eingestellt ist. Eine unterschiedliche Zuordnung bedeutet nicht automatisch, dass du einen Rechenfehler entdeckt hast.
Mein Fazit: Unterhaltung ja, Lebensregie nein
Co–Star ist für mich weder verlässlicher Beziehungsratgeber noch täglicher Pflichttermin. Die kostenlose, algorithmusbasierte App unterhält mich mit absurden Einfällen und liefert gelegentlich einen wohltuenden Gedanken. Ihre kryptischen Ansagen bleiben dagegen oft nutzlos.
Wenn du spielerisch in dein Horoskop schauen und mit Freund:innen lachen möchtest, kannst du daran Freude haben. Suchst du eine ausführliche, individuelle astrologische Auseinandersetzung, dürfte sie dich enttäuschen. Ich behalte die freundlichen Texte und lustigen Screenshots – die vermeintlichen kosmischen Befehle dürfen draußen bleiben.